Wenn Mama in der Menopause steckt & das Kind in der Pubertät – Willkommen im Doppel-Orkan
Die Menopause wird oft „zweite Pubertät“ genannt – und das ist besonders spannend, wenn im selben Haushalt bereits ein echter Teenager stürmt. Zwei Menschen, zwei Nervensysteme, zwei Hormon-Umbauten. In diesem Artikel erfährst du, warum Mütter in dieser Phase dünnhäutiger reagieren, Teenies sensibler ausflippen und wie wir Beziehung, Resilienz und Selbstfürsorge kultivieren, statt uns gegenseitig anzuschreien.
Darum geht es in diesem Artikel
Warum Menopause + Teenager-Pubertät eine explosive Mischung sein kann
Was hormonell & emotional bei Mutter und Teen parallel passiert
Warum beide Seiten sich missverstanden fühlen
Wieso das Nervensystem der Mutter schneller überlastet
Wie wir Konflikte beziehungsorientiert deeskalieren
Wie Mütter in dieser Phase Klarheit, Selbstmitgefühl & neue Freiheit finden
Zwei Pubertäten unter einem Dach – eine ehrliche Betrachtung
Es gibt Familienphasen, die fühlen sich an wie eine Netflix-Dramedy, die nie abgesetzt wird:
Ein Teenager mitten im Umbau seines Gehirns.
Eine Mutter mitten im Umbau ihres Körpers, ihrer Hormone – und manchmal auch ihres ganzen Lebens.
Die Menopause heißt nicht ohne Grund „zweite Pubertät“.
Denn sie ist weniger ein „Hormon-Auslaufen“ als ein Neu-Design:
Der Körper stellt die Weichen neu.
Der Fokus verschiebt sich.
Die Emotionen werden intensiver oder brüchiger.
Der Schlaf ist ein Chamäleon.
Der Spiegel spricht in Rätseln.
Und der berühmte Geduldsfaden hat neuerdings die Qualität eines nassen Nähgarns.
Und dann steht morgens ein Teenager in der Küche, der kaum weiß, ob er frühstücken oder rebellieren möchte.
Das Leben ist humorvoll.
Oder grausam.
Je nachdem, wie viel Kaffee du intus hast.
Was passiert bei Müttern in der Menopause – und warum trifft es die Geduld zuerst?
Die wichtigsten hormonellen Veränderungen in der Menopause sind:
Weniger Progesteron
→ Die innere Chill-Out-Lounge schließt früher.
Progesteron ist das Hormon, das uns schlafen lässt, entstresst und emotional stabilisiert.
Fehlt es, reagieren wir empfindlicher, reizbarer, schneller überwältigt.
Schwankendes oder sinkendes Östrogen
→ Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, trockene Schleimhäute, Brain Fog.
Östrogen ist nicht nur das „weibliche Hormon“, sondern auch ein Sozialhormon.
Es macht uns verbindend, geduldig, liebevoll.
Wenn es sinkt, verändert sich unsere ganze emotionale Ausrichtung:
Weniger „Ich halte alles zusammen“
Mehr „Ich brauche jetzt Grenzen, Raum und Klarheit“
Testosteron bleibt oft stabil
→ Mehr Mut, mehr Klarheit, manchmal mehr „Ich lasse mir nichts mehr gefallen.“
Das ist die neue Mischung, die viele Mütter als inneren Hustle erleben:
Weniger Nerven + mehr Klarheit + mehr Müdigkeit + mehr Ehrlichkeit.
Eine wilde Kombination – vor allem, wenn jemand im Haus wohnt, dessen präfrontaler Kortex gerade runderneuert wird.
Pubertät im Teenager-Gehirn: Sturm, Chaos & Identitätssuche
Der Teenager erlebt parallel:
extrem schwankende Hormone
ein Gehirn, das umbaut, als gäbe es kein Morgen
ein Nervensystem, das zwischen Euphorie und Drama pendelt
einen präfrontalen Kortex, der Pause macht
Impulse, die lauter sind als der Verstand
die große Frage: „Wer bin ich eigentlich?“
Das bedeutet:
Teenager können nicht logisch sein.
Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil ihr Gehirn in Renovierung steckt.
Du hast vielleicht das Gefühl, dein Teenie „will dich provozieren“.
In Wahrheit hat er meist keine Ahnung, was er gerade auslöst.
Und du?
Du stehst daneben und denkst:
„Ich wollte nie der Mensch werden, der wegen schmutzigen Socken weint.“
Warum es zwischen Teenagern & Menopause-Müttern so oft knallt
Stell dir zwei Menschen vor, die gleichzeitig:
mehr Gefühle haben als sonst
weniger Schlaf
weniger Stresspuffer
weniger Distanzierungsfähigkeit
größere Identitätsfragen
Mit anderen Worten:
Zwei Vulkane versuchen höflich, nicht gleichzeitig auszubrechen.
Aber Hormone haben kein Benehmen.
Es knallt, weil:
1. Beide haben schneller Alarm im Nervensystem.
Teenager durch impulsive Amygdala.
Mütter durch sinkende Progesteronpuffer.
2. Beide erleben Identitätsumbrüche.
Teen: „Wer bin ich?“
Mutter: „Wer will ich sein – jetzt, wo sich alles ändert?“
3. Beide haben ein verändertes Körpergefühl.
Teen: Fremdwerden im eigenen Körper.
Mutter: Abschied vom alten Körpergefühl, Beginn eines neuen.
4. Beide brauchen Raum – und zwar gleichzeitig.
Und Raum ist in Familien selten genug vorhanden.
5. Beide fühlen sich nicht verstanden.
Teen: „Lass mich.“
Mutter: „Sieh mich.“
Diese Gleichzeitigkeit macht Familien herausfordernd – aber auch bedeutsam und transformativ.
Warum du nicht „zu empfindlich“ bist – sondern in einem natürlichen Umbauprozess
Viele Mütter kommen in meine Coachings und flüstern fast:
„Ich erkenne mich nicht wieder.“
„Ich raste schneller aus.“
„Ich halte Lärm kaum aus.“
„Ich will manchmal einfach Ruhe.“
Und ich sage ihnen:
Du bist nicht falsch. Du bist im Wandel.
Die Menopause fordert dein Nervensystem – genauso wie die Kleinkindphase früher.
Nur diesmal bist du nicht 30 und voller Energie.
Diesmal bist du 45+ und gleichzeitig berufstätig, mental load managerin, Ehefrau – und Mutter eines Teenagers, der laut schnauft, wenn man ihn anspricht.
Das ist viel.
Es wäre unnatürlich, das nicht zu spüren.
Alltagsszenen, in denen Menopause & Teenie-Pubertät kollidieren
Morgens, 7:38 Uhr
Du schwitzt wegen einer Hitzewelle, dein Teenie friert, weil „das Haus zu kalt ist“.
Du öffnest das Fenster → Teen macht es zu.
Du machst es wieder auf → Teen schreit.
Zwei Nervensysteme, null Konsens.
Hausaufgaben
Du willst Klarheit, Struktur, Verlässlichkeit.
Dein Teen will Leben, Drama und „Chill dein Leben, Mama“.
Knallt.
Essensplanung
Dein Körper verlangt gesundes Essen, weil du dich stabilisieren willst.
Der Teen verlangt Nudeln, Toast, Nudeln, Toast.
Knallt.
Diskussionen
Du willst Ruhe.
Er will Recht.
Beide sind hormonell im Ausnahmezustand.
Knallt.
Und trotzdem:
Ihr liebt euch.
Ihr haltet zusammen.
Ihr findet Wege.
Jeden Tag neu.
Wie Mütter in dieser besonderen Phase Halt, Beziehung & Humor bewahren
Hier kommen 7 konkrete beziehungsorientierte Prinzipien – anwendbar im ganz normalen Chaos:
1. Du wirst langsamer, nicht schneller
Wenn dein Teen aggressiv, laut oder unlogisch reagiert, hilfst du niemandem, wenn du Tempo machst.
Dein Nervensystem braucht Entschleunigung – und seins auch.
→ Atme. Halte die Luft an. Atme dann doppelt so lange wieder aus.
→ Zipp-it! Sag nichts oder verzögere deine Antwort.
→ Geh aus dem Raum.
→ Lass 30 Sekunden Zeit.
Das ist keine Flucht.
Das ist Führung.
2. Nimm nichts persönlich – wirklich nichts
Teenager kommunizieren oft in Schlagworten, die wie Pfeile wirken.
Aber sie zielen nicht auf dich.
Sie probieren aus, wer sie sind.
Du bist nicht gemeint.
Du bist Zeugin.
Und emotionale Bezugsperson.
3. Anerkennung statt Korrektur
Ein Teen, der brüllt, braucht Spiegelung, nicht Ratschlag.
Eine Mutter in der Menopause übrigens auch.
Sätze wie:
„Ich sehe, dass es dir gerade viel ist.“
„Das fühlt sich für dich heftig an, oder?“
„Wir atmen einmal, okay?“
lösen Wunder aus.
4. Grenzen ohne Härte – Klarheit ohne Drama
Statt „Jetzt reicht’s!“, eher:
„Ich brauche jetzt Ruhe.“
„Wir sprechen später weiter.“
„Ich kann dich hören, aber nicht in diesem Ton.“
Natürlich, freundlich, klar.
Das ist kein Nachgeben.
Das ist Selbstführung.
5. Emotionales Co-Regulieren
Teenager lernen Emotionsregulation durch dich – nicht durch deine Worte, sondern durch deinen Zustand.
Wenn du ruhig bist, kann er ruhiger werden.
Wenn du außer dir bist, eskaliert es.
Darum ist Selbstfürsorge keine Option.
Sie ist Erziehung.
6. Das Gespräch im sicheren Hafen
Nicht im Streit.
Nicht im Drama.
Nicht im Hormonsturm.
Sondern später.
Beim Abendessen.
Beim Autofahren.
Beim Spaziergang.
Wenn die Nervensysteme wieder landen.
7. Humor rettet Leben – und Familienbindung
Manchmal hilft nur Lachen.
Ein Satz wie:
„Okay, offensichtlich sind heute alle Hormone im Haus wach.“
ist Befreiung.
Gemeinschaft.
Liebe in verkleideter Form.
Die verborgene Chance: Warum diese Doppelphase Mütter innerlich stärkt
Die Menopause nimmt dir nicht deine Weiblichkeit.
Sie schenkt dir:
Klarheit
Grenzen
Ehrlichkeit
innere Autorität
ein neues Körpergefühl
Mut
eine andere Form von Freiheit
Du wirst weniger „Ja, klar, mache ich“.
Du wirst mehr „Das passt für mich – oder nicht.“
Teenager brauchen genau diese Mutter:
eine, die natürlich führt
eine, die authentisch ist
eine, die ihre eigenen Grenzen kennt
eine, die das Drama der Teenager nicht persönlich nimmt
eine, die sich selbst nicht mehr beträgt
Das ist Reife.
Das ist Weiblichkeit.
Das ist moderne Mutterschaft in Würde.
Fazit: Menopause + Teenager = Herausforderung – und tiefe Wachstumschance
Ja, es ist viel.
Ja, es ist intensiv.
Ja, es ist manchmal zum Davonlaufen.
Aber es ist auch:
eine Zeit der Selbstbefreiung
eine Chance für neue familiäre Ehrlichkeit
eine Einladung, die alte Rolle hinter sich zu lassen
ein Übergang vom Funktionieren zum Fühlen
ein Neubeginn für Mutter und Teen gleichzeitig
Ihr wachst – parallel, unterschiedlich, nebeneinander.
Ihr seid zwei Menschen im Wandel.
Ihr seid zwei Pubertäten, die sich gegenseitig Spiegel und Lehrerinnen sind.
Und du?
Du wirst durch diese Phase kraftvoller, klarer, echter – und näher bei dir als je zuvor.
Herzlichen Glückwunsch, Mama.
Du bist eine feurige Frau – und du erziehst gerade einen jungen Menschen, der seine eigene Flamme findet.
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